

"Im Säli" heisst das neue Werk von Achim Parterre. Am Samstag war er für eine Buchlesung in Aarberg zu Gast.
"Ja, ich bin in Nidau aufgewachsen" strahlt der 44-jährige Achim Parterre auf die Frage des Bieler Tagblatts nach seiner alten Heimat, dem Seeland. Mittlerweile wohne er jedoch in Langnau im Emmental und es ist so, wie auf seinem Buchumschlag geschrieben steht: "Die Schweiz verändert sich, das Säli aber bleibt". Er muss es wissen: Der bereits einmal nach Nordschweden ausgewanderte und wieder zurückgekehrte Autor kommt viel in der Welt herum, auch in der eidgenössischen. Parterre ist ein einzigartiger Beobachter und Erzähler. Seine berndeutschen Geschichten sind witzig und doch tiefgründig. Man könnte sagen, sie holen die Zuhörer dort ab, von wo sie gerade herkommen: Aus dem privaten, persönlichen Umfeld eben, das jeder und jede kennt und in dem man sich tagtäglich bewegt ohne sich grosse Gedanken darüber zu machen. Muss man auch nicht, denn das tut Parterre bereits für einen. Denn jeder, der die Geschichten liest oder ihnen zuhört, findet sich bald einmal darin wieder. Das ist es wohl, was die Echtheit von Parterres Erzählungen ausmacht. Auch wenn diese Echtheit zumeist frei erfunden oder eben gut beobachtet ist. "Teil Sache si ou wahr i mine Gschichte – aber nid aues", sagt der "Säli"-Autor dazu.
"Der Bodensatz unserer Sprache" sei es, das Berndeutsch. Das sagt nicht Parterre, sondern der erst vor kurzem verstorbene Berndeutsch-Kenner und Autor Werner Marti. Bestimmt: Berndeutsch ist nicht einfach zu lesen, es braucht etwas Uebung. Jemandem, der Berndeutsch erzählt aber zuzuhören, das ist umso schöner und geht einem näher, als man denkt. Sporadisch liest Parterre auf Radio SRF 1 seine Morgengeschichten und manch einem würde die warme Stimme sofort bekannt vorkommen. Eine Stimme wie ein akustischer Uterus, um es in der Wortwahl Parterres auszudrücken. Obwohl: In seiner Geschichte "Reportermantu" wählt er dieses Wort um auszudrücken, wie wohl, gut aufgehoben und umarmt sich ein Junge in seinem Reportermantel, seinem "textilen Uterus" eben, die Kindheit über gefühlt habe. Ganz entgegen zu den verhassten Rollkragenpullis: "Hutäng u wulig. I ha gmeint, i versticki" beschreibt er diesen Zustand. In Parterres neuestem Buch gibt es auch die Geschichte des Kranführers, welcher den ganzen Tag weit oben über der Baustelle in seiner eigenen Welt lebt und auch so denkt: "är ghört nüt vo sine Kollege am Bode, kennt ihri Witze nid, kennt ihres Radioprogramm nid, weis nid, was si zum Zmittag ässe, wär gärn Schinkesändwiches het u wär lieber Salami, weis nid, wele Chef e Löu sig, was YB geschter gmacht het u was die dütsche Iseleger verdiene", beschreibt er die Einsamkeit des Arbeiters hoch oben, "zmitts im Himu" eben. Die langen, verschachtelten Sätze und Nebensätze sind ein Markenzeichen Parterres Geschichten. Dadurch baut er Spannung auf. Bis hin zur Pointe, die nie ausbleibt. "Todsicher", würde der Autor in breitem Berndeutsch dazu sagen.
Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 3. November 2014.
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Das nächste Mal zu hören sind Achim Parterres "Morgengeschichten" vom 24. – 28. November 2014, jeweils um 08.40 Uhr auf Radio SRF 1.
Nächste Buchlesung in der Bibliothek Aarberg: "Der Wolf ist tot", Kriminalroman von Andres Muhmenthaler am 15. November 2014 um 11 Uhr.