Das wünschen sich auch kleine Gemeinden: Ein Wachstum beim Gewerbe und den Arbeitsplätzen, wie es hier auf dem Bild in der "Chräjeninsel" Aarberg der Fall ist.
Dass im Seeland nur noch die Zentren wachsen sollen, stösst vielen kleinen Gemeinden sauer auf. Gefordert wird auch eine bessere Anbindung an den Oeffentlichen Verkehr.
„Wir werden bald zu einem Indianerreservat“, ärgert sich Hagnecks Gemeindepräsident Ernest Schweizer. Die Stossrichtung des Kantons im gesamtregionalen Richtplan, wonach Wachstum im Seeland bald nur noch in Entwicklungsschwerpunkten wie Biel oder Lyss-Aarberg möglich sein soll, findet er ungerecht. Denn: „Die Konzentration der Arbeitsplätze in den Zentren bringt massive Verkehrsprobleme mit sich“, ist der Gemeindepräsident des 400-Seelen-Dorfs überzeugt. Biel habe sich in den letzten Jahren stark entwickelt, ohne dass das grosse Verkehrsproblem dieser Stadt gelöst worden sei. „Wenn wir jedoch in Hagneck einzonen wollen, wird sofort die Verkehrsfrage gestellt; das ist einfach nicht korrekt und benachteiligt die Landgemeinden“, so Schweizer.
Wie zu Gotthelfs Zeiten
Aehnlich tönt es aus Wengi. „Es ist für uns unverständlich, weshalb unsere Gemeinde dem Landschaftsraum A zugeteilt werden soll, wodurch fast kein Wachstum mehr möglich sein wird“, so Gemeindeschreiberin Maja Bächler. „Wir sehen uns bald in Gotthelfs Zeiten zurückversetzt“, sinniert sie. Auch Arch, Bangerten, Oberwil, Rapperswil, Walperswil, Tschugg und Radelfingen fordern in ihren Eingaben zum Richtplan, dass die Ansiedlung von Gewerbe und Arbeitsplätzen sowie eine beschränkte Entwicklung des Wohnraums auch in Landgemeinden und nicht nur an bezeichneten Wohn- und Arbeitsschwerpunkten ermöglicht werden soll.
Auch Schüpfen Unzufrieden
Nicht nur die kleinen Gemeinden schmollen. Auch das 3500 Einwohner zählende Schüpfen schlägt in die gleiche Kerbe und befürchtet, bald zur Schlafgemeinde zu werden. Gemeindepräsident Ueli Hunziker: „Bei den Wohnbauten haben wir eine starke Zunahme; es sollte in unserer Gemeinde künftig aber auch beim Gewerbe eine gewisse Entwicklung noch möglich sein, beispielsweise im Gebiet Lätti und Moospinte“.
Den OeV optimieren
Für viele Gemeinden ist auch die Anbindung an den Oeffentlichen Verkehr zentral. „Vor allem in den Rush-hour-Zeiten wünschen wir uns einen Ausbau der Frequenzen“, so Radelfingens Gemeindeschreiber Martin Riesen. Gute Verbindungen im Oeffentlichen Verkehr seien für ländliche Gemeinden „das A und O“, ist er überzeugt. So sieht das auch Sandra Guggisberg, Gemeindeschreiberin in Rapperswil: „Wenn die Postautos Verspätung haben, wird es oft knapp, in Münchenbuchsee den Zug zu erwischen“. Deshalb wünschen sich die Rapperswiler Fahrpläne, die gut aufeinander abgestimmt sind. Auch Wengi sei Richtung Bern gut bedient. Nach Lyss seien die Verbindungen jedoch „nicht optimal“, so Maja Bächler. „Unsere Züge Richtung Bern sind morgens vollbesetzt“, stellt Schüpfens Gemeindepräsident fest. Ueli Hunziker ist sich bewusst, dass Gemeinden an der Optimierung des Oeffentlichen Verkehrs mitverantwortlich sind. „Wir haben zusätzliche Halte geprüft, diese aus Kostengründen jedoch wieder abgelehnt“. Soeben teilte die Gemeinde Aarberg ihrer Bevölkerung mit, dass sie für den Ausbau des Halbstundentakts von und nach Lyss im Jahr 2011 zusätzlich 13000 Franken aufwenden wird.
Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 16.02.2011
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