"Früher hatte ich einen Garten - heute hat er mich"


Ein farbiger Ausschnitt aus dem üppig blühenden Sommergarten von Heidi Schumacher. Auf dem oberen Bild: Borretsch (siehe Tipp). Bilder: Markus Nobs.
Der Sommerflor steht im Garten von Heidi Schumacher aus Aarberg im Juli in besonders schöner Blüte.

Es ist ein drückend heisser Sommertag. Das schmiedeiserne Tor unter dem Rosenbogen ist nur angelehnt und lädt zum Eintreten. Das Wasser im leise plätschernden Brünnlein erfrischt sowohl die Hand als auch den Geist. Die vier Treppenstufen hinauf zum Gartenplateau sind gesäumt von gelbem Johanniskraut, welches seinen Namen daher hat, weil es in der Zeit um den Johannistag, den 24. Juni also, aufblüht.

Ein gepflegter Garten mit einer Vielfalt an Sommerblühern erwartet den Besucher. Das Pflegen sei es auch, was sie seit vielen Jahrzehnten begleite, so Heidi Schumacher. Als gelernte Psychiatrie-Krankenschwester umsorgte sie während ihrer beruflichen Tätigkeit bedürftige Menschen. Kürzlich in den Ruhestand getreten, lässt sie ihre Pflege nun noch vermehrt den Blumen zugutekommen. Diese bedanken sich mit ihrem Aufblühen in einer aussergewöhnlichen Farbenvielfalt. Für Heidi Schumacher ist klar: "Ein Garten braucht Zeit, Zuwendung und Raum, um gedeihen zu können – wie der Mensch auch", lächelt sie.

Im Innern des Gartens dominiert die um ein Biotop herum angelegte Blumenrabatte. Allen voran das derzeit büschelweise in seinem schönsten Weiss dominierende Mutterkraut. Die Besitzerin weiss um den Genuss dieses Anblicks, ist er doch zeitlich begrenzt und gerade beim Mutterkraut "oft nach einem starken Regen komplett verschwunden", weiss Heidi Schumacher. Die weissen und orangefarbenen Engelstrompeten haben es ihr besonders angetan. Diese Pflanze verströmt ihren betörenden, nach Moschus riechenden Duft vor allem in den Abendstunden im ganzen Garten oder bei geöffneten Schiebefenstern auch in den Wintergarten hinein. Doch bei aller Schönheit: Für kleine Kinder ist diese giftige Pflanze nichts. Bei ihren eigenen, heute erwachsenen Kindern Franziska und Patrick habe sie schon darauf schauen müssen, dass sie damit "nicht ein Süppchen kochen", so Schumacher, welche mittlerweile zweifache Grossmutter ist.

Eigentlich liegt das Haus in einem ruhigen Quartier. Wären da nicht die Frösche. Rund fünfzehn an der Zahl, welche nicht zuletzt lautstark jeden Ueberflug eines Flugzeugs "melden". Eine ältere und eine jüngere Katze, welche unter einer mannshohen Hochstamm-Fuchsie am Herumtollen sind, lassen sich davon nicht ablenken. Im Gegenteil: Sie geniessen ihren grünen Spielplatz in vollen Zügen.

Heidi Schumachers Erholungsraum zieht sich bis in den Wintergarten, welchen ihr Mann Fritz vor 23 Jahren eigenhändig erbaut hat. Derzeit ziert ein regelrechter Vorhang aus Passiflora das Dachfenster. "So viele Früchte wie dieses Jahr, hat die Pflanze noch nie hervorgebracht", so Heidi Schumacher. Nebst Schönmalven und Hibisken rankt auch Hopfen am Gebälk empor. Im Frühling dient der Wintergarten als Treibhaus für die vielen Aussaaten. Ueberzählige Pflanzen und Setzlinge schenkt Heidi Schumacher gerne weiter und freut sich, wenn diese in den Gärten ihrer Tochter oder ihrer Freundinnen weitergedeihen.

Tipp: Heidis Pflanzen-"Medizin"

Dieser rein natürliche Sud riecht zwar übel, hat es aber in sich. Er bekämpft Blattläuse und Mehltau und kann auch als Düngemittel eingesetzt werden:

Brennnessel, Topinamburblätter, Ringelblumen und Borretsch (siehe Bild oben) in ca. 10 Liter Wasser geben.

Vier Tage ziehen lassen und damit die Pflanzen giessen oder besprühen.


Artikel von Markus Nobs aus dem Bieler Tagblatt vom 04.07.2011

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